Moskau

11. March 2008

erster Projektbericht fertig

Filed under: Allgemein — admin @ 21:15

Jeder Freiwillige muss in seinem Auslandsjahr zwei Projektberichte anfertigen. Den einen nach ca. 3 Monaten und den anderen kurz vor der Abreise damit man sehen kann. Die Bericht sind hauptsächlich für die Förderer und die Familie gedacht und sollen einen allgemeinen Einblick in das Leben und die Arbeit des Freiwilligen geben. Hier der Link: http://www.richy-in-russia.com/?page_id=44

12. February 2008

reiche Kinder

Filed under: Allgemein — admin @ 22:09

Während am Wochenende die Clubbesucher sehr bunt gemischt sind, trifft man unter der Woche vor allem reiche Kinder (und deutsche Zivildienstleistende) in den Clubs an. Sie haben keinen Plan vom Leben, rennen durch die Clubs, tragen Designerklamotten und definieren ihren Charakter anhand der Karat ihrer Uhr. Das schlimmste ist aber das sie sich darauf etwas einbilden und mit einer erhobenen Nase extravagant umher stolzieren.

Gestern war ich mit einem Kolleg ein bisschen die Nachtszene unsicher machen. Als wir vor einem Club stehen und mit dem Türsteher diskutieren meint er: „ach ihr seid Deutsche? Der VIP Eingang ist dort rechts“.

Der VIP Bereich unterscheidet sich vom normalen Bereich hauptsächlich dadurch, dass man den doppelten Preis zahlt und auf oben erwähnte Gruppe Menschen trifft. Den Leuten in diesen separaten Bereichen geht es gar nicht so sehr darum einen reellen Vorteil zu haben, es geht darum sich abzugrenzen und zu zeigen, dass man etwas Besonderes ist. Selbst wenn diese Bereiche gleich, nein sogar schlechter ausgestattet wären als der Rest des Clubs würden die Leute einen höheren Preis dafür zahle, nur um dort sein und sich als was besseres fühlen zu können. Es ist noch nicht Mal Neid, der aus mir spricht. Wenn ich einen z.B. Geschäftsmann im selbst erarbeiteten Hummer an mir vorbei fahren sehe hat dieser Mann vor allem meinen Respekt und keinen Neid verdient. Es gehört viel dazu ein Unternehmen aufzubauen oder so gut zu arbeiten, dass das Unternehmen bereit ist Unmengen als Lohn zu bezahlen. Doch diese Kinder haben in ihrem Leben noch nie etwas selbst erreicht. Hier existiert die deutsche Neidgesellschaft nicht, hier hat sich das ganze in das andere Extrem pervertiert. Man zeigt was man hat auch wenn man es nicht hat.

Deswegen sind die meisten Leute in diesen VIP Bereichen auch nicht wirklich reich, es sind viel mehr die Leute, die verzweifelt versuchen bei den ganz Großen mit zu halten. Es sind die Wannabes, die ihre Prestigeobjekte zur Schau tragen und mir einen Blick, eine Mischung aus Kopfschütteln und Mitleid, entlocken wenn ich sie durch die Clubs tanzen sehe …

4. February 2008

von Juden, Vodka und dem Holocaust… Seminar in Wolgograd 2008

Filed under: Allgemein — admin @ 22:50

Die letzten Tage war ich auf einer Holocaust Konferenz in Wolgograd. Über die Stadt allgemein werde ich nicht mehr viel schreiben, da hat sich seit dem letzten Besuch nicht viel getan.

Mit mir sind außer einigen Mitarbeitern aus dem Holocaust Zentrum und meinem Chef auch einige Studenten aus Moskau und St. Petersburg angereist.

Auf der Konferenz sollte jeder, auch ich, ein Referat zum Thema Holocaust vorstellen. Ich hatte mir etwas im Schul-Stil vorgestellt, sprich vorher kurz auf Wikipedia surfen, ein bischen was zusammenschreiben und vortragen. Aber schon auf der Hinfahrt wurden meine Illusionen zerstört. Das Wissen der Studenten über Geschichte, Kunst oder Literatur war gigantisch; von ihrem jeweiligen Spezialgebiet will ich gar nicht reden. In Deutschland wird ein junger Mensch schräg angeschaut, wenn er über ein hohes Allgemeinwissen verfügt, dass nicht daraus besteht die Teilnehmer der letzten zehn DSDS Staffeln auswendig zu können. Hier hat Bildung, auch oder gerade bei jungen Menschen, einen höheren Stellenwert.

Die Referate auf der Konferenz waren alle sehr gut ausgearbeitet und haben einzelne Teilgebiete des Holocausts hervorgehoben, die man nicht so eben im Internet zusammen suchen kann, sondern die nur in einer gut sortierten Bibliothek oder einem Archiv zur Verfügung stehen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich meine Rede, die ich auf der Konferenz, natürlich auf Russisch, halten musste, nicht erst im Zug angefangen zu schreiben. Aber der Deutschenbonus hat mich gerettet, die Patzer wurden mir verziehen und alle waren interessiert an meinem Thema.

Ich habe über Wilm Hosenfeld referiert. Er war im zweiten Weltkrieg in Warschau als Offizier der Wehrmacht stationiert und hat mehreren Juden und Polen das Leben gerettet. 1945 von Sowjettruppen aufgegriffen, ist er 1952 als gefangener Kriegsverbrecher in Stalingrad gestorben. Seine komplette Entwicklung vom Patrioten und Anhänger Hitlers zum Regimegegner lässt sich sehr gut anhand von Briefen und Tagebucheinträgen mit verfolgen.

Unser Ziel ist es seinen Status vom Kriegsverbrecher aufzuheben und ihn zu rehabilitieren. Die meisten übersetzten Dokumente, die dafür nötig sind liegen bei mir und ich werde mich mit anderen Organisationen in den nächsten Monaten um das Projekt kümmern. Kriegsverbrecher sind in Minsk registriert und somit ist der Bürokratie aufwand noch um ein vielfaches größer als in Russland.

Übrigens ist Wilm Hosenfeld der Offizier, der für den Film „Der Pianist“ Pate stand.

Richy, warum arbeitest du eigentlich in so einer Organisation? Ist es wirklich sinnvoll irgendwelche Denkmäler aufzustellen oder Gedenkaktionen für Menschen zu starten, die schon lange tot sind? Warum das ganze?

Warum? Damit wir nicht die gleichen Fehler nochmal machen.

Das Kollektivgedächtnis scheint unter Alzheimer zu leiden. Wenn man die Zeitung aufschlägt und von der Titelseite der neusten Gerüchte über Dieter Bohlen einige Seiten weiter blättert wird einem das auch schnell bewusst. Die Geschichte lehrt uns das Bewusstsein für Dinge offen zu halten, die schon einmal passiert sind und die sich nicht noch einmal abspielen müssen.

Zurück zum Seminar:

Wir haben in der Synagoge gewohnt. Die sieht aus wie ein normales Haus, ich wüsste gar nicht so genau, was sie rein äußerlich von einem Gasthaus unterscheidet. Aber eins gab es da, was es sonst nicht gibt: Juden!!!

UUhhh er hat das böse Wort gesagt. Ja! JUDE!

In Deutschland hat man ein ziemlich gestörtes Verhältnis dazu. Wenn man in Deutschland wagt das Wort „Jude“ in den Mund zu nehmen, halten alle den Atem an um einen dann kurz darauf bei Bedarf mit der Nazikeule nieder zu prügeln. Juden, Israel, der Holocaust oder ähnliche Themen, die mit der deutschen „Erbschuld“ zutun haben werden grundsätzlich nur mit Samthandschuhen angefasst und man macht genau das, was man eigentlich verhindern wollte: man drängt die jüdische Kultur in eine Sonderrolle.

Ich bin richtig froh, dass es hier anders ist. Das Verhältnis ist locker und man kann sagen was man will ohne Angst zu haben in eine antisemitische Ecke gedrängt zu werden. Noch nie in meinem Leben habe ich soviele Judenwitze auf einmal gehört, die meisten von Juden selbst. Selbst der Rabbi hat sich nicht lumpen lassen einige Witze über seine Frau zu erzählen. Hier ist das Verhältnis zu Juden NORMAL. Es interessiert nicht ob das Gegenüber eine Kipa auf dem Kopf hat oder ein Kreuz um den Hals trägt. Juden sind stinknormale Menschen und ich habe bisher noch keine Kriterien entdeckt sie von nicht-Juden zu unterscheiden. Ohne Hörner auf dem Kopf und ohne Schwanz ist das aber auch nicht so einfach muss ich zugeben.

Ich bin es ja gewohnt, dass an Seminaren viel gesoffen wird aber dass das ganze vom Rabbi, dem höchsten jüdischen Geistlichen, angezettelt wird, ist ungewohnt. Den Sabbat, an dem wir teilgenommen haben hat er nicht wie sonst üblich mit Wein, sondern mit koscherem Vodka eingeweiht. So ging der Abend auch zu Ende und ich hatte viel Spaß, zumindest wurde mir das am nächsten Morgen so erzählt.

Fazit:

- interessante Referate

- Aufregende Einblicke in die jüdische Kultur

- Ne Menge Spaß mit den Studenten/Innen

28. January 2008

Käufliche Liebe

Filed under: Allgemein — admin @ 19:35

Ich schreibe jetzt über einen bestimmten Typus Frau, den es in jedem Land und überall gibt aber der mir hier besonders ins Auge fällt.

Warum das so ist, weiß ich nicht. Mag sein, dass mir dieser Typ Frau vorher einfach nicht aufgefallen ist, mag sein, dass ich in die falschen Clubs gehe oder aber es liegt daran, dass ich hier in Moskau bin und hier einiges ein wenig anders läuft.

Moskauerinnen wären super Steuerfahnder. Du erzählst ihnen etwas über dein Lieblingsessen und über deinen Hamster und sie rechnen in Sekunden dein komplettes Vermögen samt Steuerabzügen und Reingewinn in Form von Designerschuhen aus. Sie haben einen eingebauten Taschenrechner in ihrem Kopf. Ja, ich denke hier trifft man öfter auf Frauen, bei denen Geld eine wichtige Rolle spielt. Das ganze hat wahrscheinlich mehrere Gründe:

- Man wird hier schneller erwachsen.

Die meisten sind mit 18 mit der Schule fertig und gehen dann studieren oder arbeiten. Mit 20 verheiratet und schwanger klingt für die meisten Europäer wie Hodenkrebs, hier ist das aber normal. Daher wollen sich die jungen Mädchen vielleicht nach jemandem Umschauen, der fest im Leben steht und die Familie finanziell absichern kann. (Nicht zuletzt weil das Vertrauen in die Regierung oder Banken immer noch sehr schlecht ist)

- Man zeigt, was man hat.

Das trifft sowohl auf die Kleidung der Mädchen als auch die Prestigeobjekt der Männer zu. Wenn man Geld hat, dann zeigt man es auch. Russen stellen ihren Reichtum wie kaum eine andere Nation zur Schau. Da spielt es meist auch keine Rolle ob das was man hat schön oder nützlich ist, es muss teuer und extravagant sein! Das sieht man auch tagtäglich wenn man auf die Straße geht. Eine Limousine jagt die nächste und eine Moskauerin sieht man genauso oft ohne Pelz wie einen Eisbären. In Deutschland muss man sich fast schämen reich zu sein, hier ist das nicht so, daher scheint mir hier das Streben nach Geld einen größeren Stellenwert einzunehmen als anderswo. Ich nehme mich gar nicht mal unbedingt raus, es steckt an, die Lust Karriere zu machen steigt. In Moskau kann man die Millionen förmlich riechen.

- Geld bedeutet Macht.

Und Macht macht sexy. Viel Geld wird mit einer hohen sozialen Stellung assoziiert und das spielt immer noch eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl. Dabei ist es auch belanglos ob die Golduhr oder der neue Mercedes von Papas Taschengeld gekauft wurde. Geld spielt keine Rolex.

Böse Zungen behaupten, dass der einzige Unterschied zu einer Prostituierten darin besteht, dass man für den Blowjob nicht danach Bar sondern davor per Vorkasse in Form von einem Restaurantbesuch bezahlt.

Ok, jetzt wo ich die gesamte Frauenwelt gegen mich aufgebracht habe, will ich eines klar stellen:

Ich will nicht den Eindruck vermitteln, dass jede Frau nur aufs Geld aus ist. In Moskau wohnen je nach Quelle ca. 15 Millionen Menschen und genau soviele Individuen laufen hier auch rum. Ich treffe nur öfter in bestimmten Diskotheken auf oben erwähnte Gestalten.

Also all ihr Frauen. Ihr seid wunderbare Wesen und ich mag euch mit all eueren komischen Macken, nein ich liebe euch sogar! Danke das es euch gibt!

 

Und das schreibe ich nicht um mich zu entschuldigen, ich meine das ernst :-)

27. January 2008

27. Januar

Filed under: Allgemein — admin @ 22:14

Heute ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust im zweiten Weltkrieg. Es ist schon 63 Jahre her, dass Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit wurde.

Ich schreibe das, weil ich im Holocaust Zentrum arbeite und der 27.01 der wichtigste Tag für diese Organisation ist, an dem traditionell eine große Veranstaltung abgehalten wird.

Es wurde ein Saal mit ca. 500 geladenen Gästen gemietet u.a. Geschichtsprofessoren, Lehrer, Studenten aber auch viele Botschafter und Zeitzeugen, die alle irgendwie mit dem Thema in Verbindung stehen.

Moderiert wurde der Abend von Alla Gerber, meiner Vorgesetzten. Einige Dinge sind mir besonders aufgefallen.

Ich weiß nicht ob es an dem Thema, an dem Gemüt Alla Gerbers oder an der russischen Mentalität lag aber der Abend war weniger offiziell gehalten und hatte schon fast familiären Charakter, bei dem die Redner oft emotional wurden.

Was mir nicht besonders gefallen hat, waren einige Äußerungen von Rednern, die über den Rassismus und radikale und antidemokratische Tendenzen in Europa entsetzt waren. Ich dachte mir nur „Sicher, in Europa gibt es noch einiges zu tun aber um Rassismus und antidemokratische Tendenzen zu sehen muss man nicht nach Europa, da reicht es vor die Haustür zu gehen“. Das ist hier in Russland ein weit größeres Problem.

Ein einziger Lehrer hat sich an diesem Abend kritisch geäußert, dafür hat er aber auch ordentlich Applaus geerntet. Hier ist das allerdings auch etwas schwieriger, besonders wenn man im öffentlichen Leben steht wie z.B. die anwesenden Politiker. Wer all zu offen seine Meinung sagt, wird nicht gleich verhaftet oder bedroht aber er wird es definitiv weit schwerer haben karrieremäßig voran zu kommen.

Dem deutschen Botschafter fiel eine besondere Rolle zu. Er hat die Abschlussrede gehalten und sich wie erwartet sehr demütig und vorsichtig Ausgedrückt. Als der offizielle Teil vorbei war und alle gen Ausgang strömten, wollte ich noch zu ihm um ihn etwas zu fragen aber eine Gruppe von Männern kam mir zuvor, sie fragten ihn bei Seite nehmend „mal unter uns, darf man sich als deutscher zu diesem Thema kritisch äußern?“.

Eine sehr gute aber fast schon rhetorische Frage.

15. January 2008

Things to do…

Filed under: Allgemein — admin @ 14:46

Noch vor einigen Wochen stand ich kurz vor dem Bore-Out-Syndrom doch Mittlerweile hat sich das Ganze stark gebessert. Ich habe arbeit!

Wie habe ich das angestellt?

Zuerst habe ich meine Arbeitszeit systematisch verkürzt. Das gleiche Arbeitsvolumen im kürzeren Zeitintervall bedeutet mehr Zeit, in der man sinnvolle Dinge macht.

Das Schicksal kam mir auch entgegen. Meine, gerne mal etwas nervige, Mitarbeiterin hat einen neuen Job gefunden und ich bin jetzt der alleinige Herrscher über die Bibliothek (sollte es Gott geben, dann liebt er mich). Das bedeutet mehr Arbeit, mehr Verantwortung und ein eigener Bereich, in den keiner reinpfuscht.

Seit einiger Zeit bin ich einmal die Woche bei (Isa)Bella, einer alten Frau und muss ihr helfen. Bella war Jahrelang Professorin an renommierten Universitäten und spricht fließend Englisch. Häufig kommen auch noch Studenten zu ihr und nehmen Unterricht. Im zweiten Weltkrieg hat sie als kleines Mädchen 30 russischen Offizieren das Leben gerettet, weshalb sie auch bekannt wurde. Bella ist körperlich noch Fit und kann alles selbst machen nur ein Problem hat Bella. Sie ist vergesslich. Sehr vergesslich. Sie erzählte mir vom ersten Treffen an, sehr freimütig Geschichten aus ihrem Leben. Sie sind sehr interessant und beeindruckend aber es sind meistens die selben Geschichten. Oft wiederholen sie sich schon nach einigen Minuten. Im Grunde komme ich einmal die Woche zu ihr, wir trinken Kaffee und sie erzählt mir Geschichten. Bis auf meine bloße Anwesenheit konnte ich ihr bisher auch nicht wirklich helfen aber es ist in Ordnung, ich komme gerne zu ihr, es ist jedes mal wie eine Zeitreise in die Vergangenheit weil auch ihre ganze Wohnung von Andenken aus aller Welt überquillt und ein bewegtes Leben erzählt.

Neben meiner Regulären Arbeit habe ich mir noch einen kleinen Nebenjob beim Radio besorgt. Es handelt sich um den Radiosender „The Voice of Russia“, der in die ganze Welt Nachrichten über Russland bringt. Ich bin für, wer hätte das gedacht, Nachrichtensendungen nach Deutschland zuständig. Bisher war ich nur einmal auf einer Pressekonferenz und habe zugeschaut. Ich hoffe aber, dass bald die Interessanten Veranstaltungen anfangen und ich auch mal selbst aktiv werden kann.

Der Job wird nicht bezahlt, bietet aber einmalige Gelegenheiten Größen aus Politik und Wirtschaft zu treffen, an die normalerweise kein Rankommen wäre. Außerdem gibt es bei solchen Veranstaltungen reichhaltige Büffets. Das bedeutet All-you-can-eat kombiniert mit einer Free-drink Party und dabei intelligent aussehen. Drei Gründe, die den Job attraktiv machen.

Da Moskau aber verdammt teuer ist, muss ich mir wohl oder übel einen dritten Job zulegen müssen. Aber der einzige echte Bonus, der mich von einem Einheimischen unterscheidet, sind meine Sprachfähigkeiten, was auf Deutschnachhilfe hinauslaufen wird. Deutsch wird hier übrigens sehr gerne gelernt, wenn auch mit mittelmäßigem Erfolg. Die meisten sprechen so gut Deutsch, wie Waldorfschüler russisch (eher bescheiden, nein, sagen wir einfach nur schlecht.). Aber gezahlt wird für Nachhilfe auf Muttersprachenniveau sehr ordentlich. Die Anzeige in der Zeitung könnte lauten: „Deutscher sucht Tochter neureicher Russen um ihr was bei zu bringen”.

6. January 2008

(sch)eiskalt

Filed under: Allgemein — admin @ 18:28

Wenn man einmal nichts zu sagen hat, redet man einfach über das Wetter. Vom russischen Wetter behauptet man, dass es immer kalt sei. Stimmt das?

Nein, alles nur ein Vorurteil!

Haha Schön wärs…  ich mag ja schon den Winter, wenn man ihn denn so nennen kann, im sonnigen Süden Deutschlands nicht aber hier erreicht das ganze schon eine andere Ebene von „nicht mögen“.  Hier herrschen im Moment minus 20 Grad und es ist nicht abzusehen, dass es in naher Zukunft wärmer wird. Wie sich das anfühlt? Genauso beschissen wie es sich anhört. Die Kälte ist lähmend. Vorgestern war ich nachts ein wenig unterwegs. Nacht, das bedeutet nochmal 5 bis 10 Grad kälter, zusammen mit dem manchmal vorherrschenden Wind ist das wirklich ekelhaft. Daher habe ich mir ein Taxi geholt, als ich ausgestiegen bin musste ich keine drei Minuten draußen warten und meine Hände waren eiskalt (ich hatte Handschuhe an).

Als ich im September herkam waren es am Tag noch locker 20 Grad plus und mehr, da waren um 11 oder 12 Uhr Abends die Straßen noch voll von Menschen, sogar in den Außenbezirken. Mittlerweile geht kaum noch jemand freiwillig vor die Tür, alles ist buchstäblich eingefroren. Zusammen mit den wenigen Sonnenstunden am Tag schlägt sich das bei mir stark auf die Laune nieder. Bei diesen Temperaturen überlegt man es sich dreimal einen Fuß vor die Tür zu setzen. Warum kann Moskau nicht am Mittelmeer liegen?

Ich hoffe ich kann mich diesen Monat ein wenig ablenken. Es steht wegen dem Holocaust Gedenktag recht viel Arbeit an, außerdem muss ich nochmal kurz nach Deutschland und ein Seminar in Wolgograd ist auch auf Ende dieses Monats angesetzt.

Naja, ich werde mir mal langsam eine Mütze zulegen und hoffen, dass es nicht mehr so lange bis zum Frühling dauert, den proportional zu den Temperaturen wird auch meine Laune steigen.

3. January 2008

Silvester – hat jemand die Sonne gesehen?

Filed under: Allgemein — admin @ 17:12

In der Sowjetzeit war Religion verboten, daher traten an die Stelle religiöser Feiertage andere Feste. Dies ist zwar nicht mehr so und die orthodoxe Kirche in Russland gewinnt immer mehr an Bedeutung, dennoch ist hier das Neujahrsfest immer noch mit Abstand der wichtigste Feiertag. Hier gibt es nicht nur, wie bei uns an Weihnachten, Geschenke, hier macht man auch die Party des Jahres.

Da das jeder vernünftige Mensch weiß, sind einige Freunde aus Deutschland zu Besuch gekommen um ordentlich Party zu machen. Seit einer Woche bin ich jeden Tag am feiern, ich brauche eindeutig Urlaub. Seit dieser Zeit habe ich auch keine Sonne gesehen. Ich feiere bis zum Morgen, meist so bis ca. 7, da ist es noch dunkel, geh heim, leg mich schlafen und schlafe bis 18 Uhr, dann ist es schon wieder dunkel, dann gibt’s Frühstück und das Voglühen fängt wieder an… Ich glaube der einzige der noch weniger Sonne gesehen hat ist mein Bonsai baum Norbert.

An dieser Stelle lasse ich aber am besten mal Bilder sprechen. (zumindest wenn ich das mit der Galerie hin bekomme)

24. December 2007

Lonely Christmas

Filed under: Allgemein — admin @ 21:10

Dieses Jahr hieß es das erste Mal ohne Familie Weihnachten feiern.

Ich fand es nicht so dramatisch. Fast alle Russlandfreiwilligen sind über die Feiertage heim geflogen aber ich bin tapfer geblieben und halte hier die Stellung. Mir bedeutet Weihnachten eh nicht viel. Das ganze besinnliche Drumherum um ein von Christen geklautes Fest, was von größtenteils Atheisten praktiziert wird ist doch lächerlich… sogar in meiner Dönerbude hing Weihnachtsschmuck.

Außerdem ist die Geschenkekultur voll für den Arsch. Man schenkt nicht weil man will sondern weil man MUSS. Andernfalls ist man der Assi und muss sich schlecht fühlen weil man kein noch so unbrauchbares Geschenk gefunden hat. Genau das selbe am Valentinstag (liebe Mädchen, ich habe diesen Tag nicht vergessen, ich habe aus Prinzip nicht daran gedacht ).

Da aber auch ich nicht ganz alleine in meinem Zimmer sitzen, Kuschelrock vol. 93 hören und mich selbst bemitleiden wollte, habe ich einige Freunde eingeladen um echtes deutsches Weihnachten zu feiern.  (Die Russen feiern ihr fest nach dem julianischen Kalender, also somit am 7. Januar.)

Wir saßen da, aßen, tranken, haben uns unterhalten, gelacht – es war cool. Aber etwas fehlte: ein Weihnachtsbaum! Die einzige Pflanze, die ich gefunden habe, war mein Bonsai baum Norbert. Im Grunde ist das kein Bonsai baum, eigentlich weiß ich gar nicht ob das überhaupt eine Pflanze ist, es sieht aus wie ein Stock mit einigen Blättern dran, der in einem Topf steckt. Evtl. hat er sein wunderschönes Aussehen der Tatsache zu verdanken, dass ich ihn seit dem ich hier wohne schon einmal gegossen habe? Ich mag ihn. Norbert hat seinen Weihnachtsbonsaibaumdienst gut erfüllt und das Fest war komplett.


Ob beim Wodka trinken und Durak spielen weihnachtliche Stimmung auf kam? Nun, obwohl wir einige male auf Weihnachten und den Weihnachtsmann getrunken hatten, kam tatsächlich keine besinnliche Stimmung auf. Lustig wars trotzdem und so habe ich mein erstes Mal Weihnachten ohne Familie überstanden.

22. December 2007

Birthday!!

Filed under: Allgemein — admin @ 21:47

Gestern hatte ich Geburtstag (oder vorgestern?), jetzt bin ich 21! Yeeeah. Nun auf jeden Fall hatte ich keine Lust auf eine richtige Geburtstagsfeier, zuhause bleiben wäre aber auch sehr uncool geworden, also bin ich einfach mit einem Kolleg bisschen feiern gegangen.  Wir wollten im Stadtzentrum in einem kleinen Park ordentlich vorglühen um danach in einen Club zu gehen weil man sich in einer Bar in Moskau aus zwei Gründen nicht kultiviert betrinken kann:

1.       Wenn man sich bspw. einen Cocktail bestellt ist der Mix wirklich Mädchenhaft. Man trinkt und trinkt und fragt sich irgendwann- gibt’s den Cocktail auch mit Alkohol? Bei diesen Getränken wird selbst eine indianische Frau ohne Leber nicht besoffen.

2.       Die Preise sind hoch. Wirklich hoch. Ein Whiskey-Cola (mit Pussymix versteht sich) für 20 Euro tut weh in der Seele eines armen Zivis.

Wir stehen also im Park und machen voll die Party, als plötzlich uneingeladener Besuch vorbei kommt. Ein Auto kommt vorgefahren und zwei Typen mit Uniform und Waffe im Anschlag steigen aus: die Miliz.

Man dürfe hier nicht trinken, meinen sie. Ich denke mir nur: Waaas? Hier hat doch jeder zweite eine Dose Bier in der Hand aber eine russische Freundin, die zwischenzeitlich vorbeigekommen ist, weil grad in der Nähe bestätigt mir das: man darf in Russland offiziell keinen  Alkohol auf der Straße trinken. Mein Weltbild bricht in sich zusammen. Dann mussten wir mit auf die Wache kommen. Im Auto habe ich noch über den Preis verhandelt aber 1000rubel pro Nase (knapp 30euro) waren mir einfach zu viel. Da sie uns zwar den Wodka weggenommen, die Flasche mit dem Vodka-Orangensaft Mix aber gelassen haben, haben wir einfach auf der Wache weiter getrunken. War gar nicht so übel, dort wars wenigstens warm und die Typen mit den Kalaschnikows waren auch erstaunlich nett. Wir wurden sogar von zwei Omas, die dort gerade ihre Aussagen aufgenommen haben, in Schutz genommen, weil sie mitleid hatten: „lasst doch die armen deutschen Jungs gehen, sie kommen her und tun was Gutes für die Menschheit und ihr sperrt sie ein“  ich fand das süß.

Auch wenn’s auf der Wache lustig war, wurde es langsam Zeit zu gehen, den mittlerweile war schon nach 2 und wir wollten noch in die Disko. Also bin ich zum Chef gegangen und habe gefragt ob wir das nicht abkürzen könnten, weil es für keinen wirklich Sinn macht hier zu sitzen und zu warten. Ich war nicht bereit soviel zu zahlen und er wollte nicht, dass ich die Botschaft anrufe weil das sonst für alle Beteiligten viel zu kompliziert wird. Also kam er nach fünf Minuten mit einem Zettel raus, lies uns unterschreiben und verlangte 500 pro Kopf. Das war es mir dann wert, denn wir hatten ja tatsächlich gegen das Gesetz verstoßen, wenn auch unbewusst und ich wollte endlich in einen Club feiern gehen.

Der Besuch bei der Wache war definitiv das Highlight des Abends und lustiger als ich dachte.

Im Endeffekt haben wir an diesem Abend nichts gespart aber ein außergewöhnlicher Geburtstag war es trotzdem.

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